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Chronik
der Abteilung Fußball
30er Jahre
Kaum jemand weiß es noch: Bereits vor dem 2.
Weltkrieg wurde in Allensbach Fußball gespielt. Nicht so wie heute,
organisiert, angeschlossen an Verbände und mit einem bis ins Kleinste
ausgetüfteltem Spielplan. In den ersten beiden Jahrzehnten nach der Gründung
des Turnvereins Allensbach 1907 gab es organisiert nur das damals noch
sehr populäre Faustballspiel. Erst die Allensbacher Realschüler, die auswärts
zur Schule gingen, importierten dann den Fußball, der recht bald bei der
sonstigen Allensbacher Jugend seine Anhänger fand.
Die Gegner der damaligen Fußballer von Allensbach waren
Straßenclubs von Konstanz, die C-Jugend des FCK und die Pfleger und Insassen
der Heilanstalt. Gespielt wurde auf etlichen Wiesen, zuletzt sogar im Turbenried.
Dress: weiß-schwarz mit rotem Kragen
Nach dem Krieg
Am 27. September 1946 wurde der Sportverein Allensbach nach
den Kriegswirren neu gegründet. Da die alliierten Militärregierungen die
Sportart „Turnen" als Wehrertüchtigung betrachteten, verlegte man sich
unter den damals sportinteressierten Allensbachern auf die Rasensportarten.
Leichtathletik, Handball und Fußball waren als Abteilungen vertreten.
Sportlich interessiert war man in Allensbach schon damals,
denn Zuschauerzahlen von 400 bis 500 lassen erraten, dass die Menschen nach
Unterhaltung und Abwechslung suchten. 1946, also ein Jahr nach Kriegsende, war
der Sportverein Allensbach mit bereits zwei Fußballmannschaften am Spielbetrieb
beteiligt.
Das erste Spiel überhaupt, welches aus der Chronik
überliefert ist, war ein Freundschaftsspiel gegen den FC Markelfingen am 6.
Oktober 1946. Mit 1:4 Toren unterlag man dem Gegner aus dem Nachbarort. Dieses
erste Spiel wurde sicherlich als Training auf das Großereignis des
darauffolgenden Wochenendes angesehen. Der SVA erwartete den damaligen
Südbadischen Meister VfL Konstanz zu einem Pokalspiel in Allensbach!
Hier ein Auszug aus einem Spielbericht, den Berthold Karrer,
1946 Schriftführer des Vereins, verfasste:
„Im Rahmen der Pokalrunde hatten wir gleich im ersten Spiel
am 13. Oktober 1946 die 1. Mannschaft des VFL Konstanz zu Gast. Wir Spieler
selbst, als wir erfahren hatten, dass dies unser Gegner wird, waren alle wie vom
Schlag getroffen. Über den Spielverlauf waren wir uns ja von vorneherein im
Klaren. Den Südbadischen Meister konnten wir Anfänger am Sieg ja nicht
hindern. Das Spiel fand dann bei herrlichstem Wetter um 14.30 Uhr statt. Gleich
nach Anpfiff legten die Konstanzer ein mächtiges Tempo vor, konnten aber auch
das Tor nicht finden. Etwa nach 20 Minuten fiel der erste Treffer, aber dann
umso schneller fielen die darauffolgenden Tore. Bei Seitenwechsel stand die
Partie 6:0. In der zweiten Halbzeit war der Kampf dann etwas ausgeglichener. Bei
Schlusspfiff stand das Spiel 8:0. Etwa 400 Zuschauer wohnten dem Spiel bei, die
alle ihre Freude fanden."
Das erste überlieferte Verbandsspiel fand dann eine Woche
später in Meersburg statt; der SVA unterlag 3:6.
Mit einem 6. Tabellenplatz schloss man die Saison 1946/47 ab.
Also durchaus ein Erfolg für den neugegründeten Verein. Dass die Allensbacher
schon damals südländisches Temperament aufwiesen, zeigte sich in den vier
Spielsperren, die die Allensbacher wegen Maulerei bekamen.
Die 50er Jahre
Die ursprüngliche Begeisterung der Nachkriegsjahre für den
Fußballsport verebbte zusehends. Die 2. Mannschaft wurde aus dem Spielbetrieb
zurückgezogen und Anfang der 50er Jahre hatte man oftmals große Mühe 11
Spieler aufzutreiben. So war an Aufstieg nicht zu denken und man spielte
jahrelang in der untersten Klasse, der Kreisliga Ib, die 1949 in die C-Klasse
umgewandelt wurde.
1952 aber gelang den Allensbacher Fußballern der Aufstieg in
die B-Klasse. Dieser Aufstieg war nicht von lauter Freude begleitet, denn durch
den zunehmenden Spielbetrieb kam vor allem die Leichtathletikabteilung ins
Hintertreffen, was die damalige Schriftführerin Irmgard Döring veranlasste,
vom „Modesport Fußball" zu schreiben, welcher den anderen Abteilungen
viel Aufmerksamkeit nehme.
Im Juni 1955 kam es nach langen Monaten intensiver
Eigenarbeit endlich zur Einweihung des neuen Sportplatzes an der Hochstraße.
Ein regelrechtes Volksfest währte 3 Tage – der Startschuss für eine neue
Ära der Allensbacher Fußballgeschichte! Die damalige Fußballbegeisterung,
1954 war Deutschland Weltmeistergeworden, ging auch an Allensbach nicht spurlos
vorüber. So konnte erneut eine 2. Mannschaft gegründet werden, welche ihre
Spiele in der C-Klasse bestritt. Es folgten sieben Jahre, welche von großer
Beständigkeit der Fußballabteilung geprägt waren.
Die 60er Jahre
Erst 1963 gab es für die Fußballer einen herben
Rückschlag: Die 2. Mannschaft musste zurückgezogen werden und die 1.
Mannschaft stieg in die C-Klasse ab. Noch schwärzer das Jahr 1964: Mangelndes
Spielermaterial, Interesselosigkeit und schlechte Kameradschaft zwangen dazu,
auch die 1. Mannschaft vom Spielbetrieb zurückzuziehen. Es begannen drei
fußballlose Jahre für den Sportverein.
Doch am 27. August 1967 war es wieder soweit: Nicht zuletzt
dank der Bemühungen des 1. Vorsitzenden Hermann Liebenz, gelang es, wieder eine
Fußballmannschaft auf die Beine zu stellen, welche ihre Spiele in der C-Klasse
austrug. Praktisch aus dem Nichts entstanden, verbuchte die Elf gleich zu Beginn
schöne Erfolge, dennoch war an einen Aufstieg nicht zu denken.
Die 70er Jahre
Im Jahre 1970 übernahm Kurt Geisenberger die Geschicke der
Fußballabteilung und unter seiner Regie gelang der Mannschaft 1972 der Aufstieg
in die B-Klasse. Der damalige Trainer der Allensbacher hieß Lothar Rosskopf und
mit ihm wurde man auch Bezirksmeister des Jahres 1972. Der bis dato größte
Erfolg der Vereinsgeschichte!
Das Hoch der damaligen Zeit erbrachte einen großen Zustrom
an neuen Spielern, so dass erneut eine 2. Mannschaft gebildet werden konnte. Im
Zuge dieser positiven Entwicklung konnte auch eine AH-Mannschaft gegründet
werden, die bis zum heutigen Tage besteht und teilweise schöne sportliche
Erfolge bei Turnieren aufweisen konnte.
Der größte sportliche Erfolg in der Allensbacher
Fußballgeschichte konnte 1975 mit dem Aufstieg in die A-Klasse gefeiert werden.
Unter Trainer Bodo Meinhard entwickelte sich eine technisch und kämpferisch
brillante Mannschaft, die drei Jahre lang die A-Klasse bereicherte.
Das Jahr 1978 brachte die Rücknahme der 2. Mannschaft vom
Spielbetrieb sowie einen Trainerwechsel. Bodo Meinhard, der sich beruflich
veränderte, wurde von Egbert Dor abgelöst, dem später Klaus Faulhaber folgte.
Das Amt des Abteilungsleiters wurde von Peter Grunwald übernommen.
Trotz eines guten Trainers gelang es nicht, die Mannschaft in
der A-Klasse zu halten, man stieg 1978 in die B-Klasse ab. Zahlreiche
Stammspieler verließen daraufhin den SV Allensbach und bewirkten 1979 somit den
erneuten Abstieg in die C-Klasse.
Die 80er Jahre
Unter dem neuen Trainer Paul Seiter gelang im Jahre 1980 der
sofortige Wiederaufstieg in die B-Klasse und im gleichen Jahr konnte auch wieder
eine recht spielstarke 2. Mannschaft gebildet werden.
1981 übernahm Christoph Günther das Amt des
Fußballabteilungsleiters und ein Jahr darauf feierte der SVA sein 75jähriges
Bestehen.
Schloss man 1983 das sportliche Jahr noch mit einem 10.
Tabellenplatz (die Zweite wurde 9.), war 1984 schon von besserem Erfolg
geprägt: Die Erste landete auf einem beachtlichen 4. Tabellenplatz der
Kreisliga A, die Zweite wurde 6.
In der Saison 1984/85 übernahm Reiner Koch das Traineramt
der 1. Mannschaft. Mit ihm wurde das Team in dieser Saison erneut 10. der
Tabelle, die Zweite kam immerhin auf Platz 3. Genau die selben Endresultate
erreichten beide Mannschaften 1986.
In der Spielzeit 1987/88 übernahm Pirmin Böhler das Amt des
Trainers von Reiner Koch und mit ihm gelang, wonach viele Jahre lang vergebliche
Bemühungen investiert worden waren: Mit dem letzten Spieltag wurde man Meister
der Kreisliga A vor den Teams aus Meersburg und Litzelstetten! „Bezirksliga
wir kommen!" hieß es fortan.
Unter dem neuen Abteilungsleiter Christian Bücheler und den
Trainern Pirmin Böhler und Christoph Günther (2. Mannschaft) versuchten die
Allensbacher Sportler nach den fußballerischen „Sternen" zu greifen.
Doch es kam anders, als alle dachten: Am letzten Spieltag
stieg man nach einer 1:4-Heimpleite gegen Worndorf völlig unerwartet wieder ab,
obwohl man fast die ganze Saison über im gesicherten Mittelfeld war und
kurzzeitig sich sogar an der Tabellenspitze wiederfinden konnte.
In der Saison 1989/90 übernahm Trainer Wolfgang Kleber die
Geschicke der 2. Mannschaft, Pirmin Böhler blieb Trainer der Ersten.
Die 90er Jahre
Das Spannendste was der Allensbacher Fußballsport bis zum
heutigen Tage zu bieten hat, geschah am 26. Mai 1990: Die ganze Saison gab es
ein Kopf-an-Kopf-Rennen an der Tabellenspitze zwischen Dingelsdorf und
Allensbach. Am letzten Spieltag siegte der SVA 3:0 gegen Bermatingen, während
Dingelsdorf „nur" 5:3 gegen Salem gewann. Das reichte: Mit dem besseren
Torverhältnis, aber dem gleichen Punktestand (50:10) war Allensbach Erster und
ließ Dingelsdorf dank des besseren Torverhältnis hinter sich. Ebenso
sensationell stieg gleichzeitig die 2. Mannschaft in die Kreisliga A auf!
Überhaupt war 1990 ein tolles Jahr für den Sportverein
Allensbach. Nicht nur der doppelte Aufstieg der Fußballer war zu verzeichnen,
Sigi Schieß wurde in die Handballnationalmannschaft berufen, nachdem ein Jahr
zuvor die Handballerinnen in die 2. Bundesliga aufgestiegen waren. Nein, es war
auch der langersehnte erste Spatenstich zum Bau des Sportzentrum in Kaltbrunn,
welchen Bürgermeister Kennerknecht und SVA-Präsident Kurt Geisenberger am
1.10.1990 vornahmen!
1991 belegte die 1. Mannschaft immerhin den 8. Tabellenplatz
in der Schlussabrechnung, die Zweite musste jedoch wieder den Gang in die
Kreisliga B antreten.
Während Wolfgang Kleber weiterhin Trainer der 2. Mannschaft
blieb, verließ Pirmin Böhler den Verein, für ihn kam Heinrich Thate.
Auch in der Vorstandschaft gab es Veränderungen: 1993 wurde
Christoph Günther 1. Vorsitzender des Gesamtvereins und löste Kurt
Geisenberger ab, der das Amt 19 Jahre inne hatte, und Christian Bücheler
übergab den Posten des Abteilungsleiters an Wilfried Enz.
Trotz aller Kontinuität: Auf Heinrich Thate folgte Bernd
Braiger und sogar eine 3. Mannschaft wurde gegründet. Diesem folgte Wolfgang
Kleber als Trainer für die Erste. Beiden Trainern gelang es, die Mannschaft zum
festen Bestandteil der Bezirksliga Bodensee zu machen. Auch die 2. Mannschaft
wusste sich zu konsolidieren; sie hatte aber ihre größten Erfolge erst
später, nämlich in der Jetztzeit.
Das neue Jahrtausend
Quo vadis, SVA? Im neuen Jahrtausend spielt die
Fußballabteilung des SVA eine bislang gute Rolle im Vereinsgefüge. Die 1.
Mannschaft unter ihrem neuen Trainer Joachim Ruddies und die 2. Mannschaft mit
Thomas Streibert, der den sehr bemühten Bernd Knappe ablöste, spielen eine
gute sportliche Rolle in ihren Ligen.
Die Zweite verpasste im Sommer 2001 sogar ganz knapp den
Aufstieg in die Kreisliga A.
Die Perspektiven sind nicht schlecht, dass man in Allensbach
eines schönen und vielleicht nicht allzu fernen Tages, Landesligafußball zu
sehen bekommt. Hierzu bedarf es jedoch nicht nur des berühmten Quentchen
Glücks, sondern auch einer Vorstandschaft, die bereit zu Investitionen ist.
Unter ihrem Abteilungsleiter Ludwig Egenhofer wurde eine
vorübergehende Zeit der „Führungslosigkeit" in der Abteilung endgültig
beendet. Mit ihm und einer Crew von engagierten Mitarbeitern sind die oben
zitierten Perspektiven vorhanden.
Aber: Leistungssport gibt es heutzutage nicht mehr gratis.
Und was in den Jahren nach dem Kriege nur aus Kameradschaft bestand, hat heute
kaum noch Gültigkeit. Leider.
Für Sie recherchiert:
Christoph Günther
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